"Neue" Rollen des beruflichen Bildungspersonals und deren Wahrnehmung durch die pädagogischen Akteure

Eine interpretative Analyse dominanter Rollenbilder von Berufsschullehrern und Ausbildern

  • Robert W. Jahn
  • Kathrin Brünner
  • Florian Schunk
Schlagworte: Bildung, Erziehung

Abstract

Der folgende Beitrag befasst sich mit den pädagogischen Rollen von Berufsschullehrern und Ausbildern. Während die normativ-theoretisch begründeten Forderungen nach einer neuen Rolle vor dem Hintergrund einer eher strukturfunktionalistisch geprägten Perspektive erhoben werden, muss aus einer interaktionistischen Perspektive gefragt werden, ob die pädagogischen Akteure in der Beruflichen Bildung die vielfältigen Erwartungen überhaupt wahrnehmen (können) und wie sie diese möglicherweise in einem eigenen Rollenbild rekonstruieren. Diese Frage ist, zumindest für Ausbilder, nahezu unbeantwortet. Zudem ist interessant, Ausbilder und Berufsschullehrer vergleichend zu analysieren, da sich die organisationalen und qualifikatorischen Rahmenbedingungen beider Gruppen zum Teil erheblich voneinander unterscheiden. Daher rekonstruieren wir auf der Basis einer explorativen, qualitativen Studie die Rollen von je vier Ausbildern und Lehrern mithilfe der dokumentarischen Methode als rekonstruktives resp. interpretatives Analyseverfahren, das eine Typenbeschreibung zum Ziel hat. Die Ergebnisse zeigen, dass im Hinblick auf die wahrgenommenen rollenbestimmenden Erwartungen die Vermittlung von Fachwissen als das Fundament der pädagogischen Arbeit konzeptualisiert. Darüber hinaus gibt es weder Hinweise von einer „alten“/„traditionellen“ oder „neuen“/„modernen“ Rolle zu sprechen, noch Rollenbilder als eindimensionale Entsprechung spezifischer Erwartung abzuleiten. Vielmehr unterscheidet sich unsere Typisierung an der Begrenztheit resp. Vielfalt wahrgenommener Erwartungen. Ein sog. plurales Rollenbild, wie es theoretisch-normativ aus strukturfunktionalistischer Perspektive gefordert wird, kann nur in Ausschnitten nachgewiesen werden. Es deutet sich an, dass weder die Funktion, noch die Qualifikation oder der organisationale Kontext allein Einfluss auf die Rollenkonstruktion nehmen, sondern sich erst durch das Zusammenspiel dieser Faktoren im biographischen Prozess eine je individuelle Ausprägung der pädagogischen Rolle mit einem erweiterten/begrenzten Profil konstituiert.

Veröffentlicht
2019-11-20